Provenienzforschung


Zwischen Ideologie und Kunsthandwerk: Provenienzforschung am Städtischen Museum Schloss Rheydt

Das gemeinsam vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste Magdeburg und dem Förderprogramm „Provenienzen NRW“ des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft geförderte Projekt „Zwischen Ideologie und Kunsthandwerk: Provenienzforschung am Städt. Museum Schloss Rheydt“ läuft seit dem 01. September 2024.

Im Rahmen des ursprünglich einjährigen Projekts werden ausgewählte Objekte der städtischen Sammlung systematisch auf ihre Verbindung zu NS-verfolgungsbedingtem Entzug geprüft. Eine erste Untersuchung im Jahr 2018, im Rahmen des LVR-Projektes „Provenienzforschung in NRW“, hatte empfohlen, insbesondere die kunsthandwerklichen Objekte, die zwischen 1950 und 1990 gezielt über den Kunsthandel erworben wurden, einer vertieften Prüfung zu unterziehen. Das Projekt untersucht darüber hinaus Verwertungsprozesse im stadthistorischen Kontext von Mönchengladbach und beleuchtet die eigene Institutionengeschichte, insbesondere im Umfeld von Joseph Goebbels, Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda.

Forschungsfokus

Im Mittelpunkt der Provenienzforschung stehen:

  • Kunsthandwerkliche Objekte, die zwischen 1950 und 1990 über den Kunsthandel angekauft wurden. Mit der Wiedereinrichtung des Museums in der Nachkriegszeit wurden gezielt neue Objekte erworben, um die Sammlung im Sinne des Renaissancezeitlichen Schlosses inhaltlich zu ergänzen.
  • Objekte, die im Zusammenhang mit der sogenannten Gästehausepisode zwischen 1940 und 1945 in das Schloss gelangten. Während dieser Zeit war das Museum ausgelagert, damit das Schloss für Joseph Goebbels als repräsentativer Ort eingerichtet werden konnte. Das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda stattete das Gästehaus mit Einrichtungsgegenständen aus, von denen einige in die Museumsbestände übergingen.

Die ausgewählten Objekte spiegeln somit sowohl den heterogenen Bestand als auch die strategische Sammlungsstrategie des Museums wider.

Projektziel, Ergebnisse und Vermittlung

Das Projekt verfolgt die Absicht, ausgewählte Objekte einer strukturierten Prüfung auf NS-verfolgungsbedingten Entzug zu unterziehen. Nach einem Jahr Forschung sind 20 als bedenklich eingestufte Objekte in der Lost Art Datenbank veröffentlicht worden und online hier einsehbar:  https://www.lostart.de/de/Fund/540413

Um die umfangreichen Untersuchungen fortzuführen und abzuschließen wurde die Projektlaufzeit um weitere sechs Monate, bis zum 28. Februar 2026 verlängert. Parallel zur Forschung wird bereits die Realisierung der Vermittlung der Ergebnisse in der Dauerausstellungvorangetrieben, um Besuchenden fundierte Einblicke in die Geschichte der Objekte und ihrer Provenienz zu ermöglichen und die Forschungen wiederum öffentlich zugänglich zu machen.

Mit diesem Projekt leistet das Städtische Museum Schloss Rheydt einen wertvollen Beitrag zur Aufarbeitung der Kunstbiografien, zur Förderung von Erinnerungskultur und zur Prüfung gerechtfertigter Rückgabeansprüche im Sinne der Washingtoner Erklärung von 1998.

Weitere Informationen:

https://www.proveana.de/de/link/act00003480www.kulturgutverluste.dewww.lostart.dewww.arbeitskreis-provenienzforschung.org
Weitere Informationen:
www.kulturgutverluste.de
www.lostart.de
www.arbeitskreis-provenienzforschung.org

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